Schienenbus 795 256 / 995 295

Zum wirtschaftlichen Betrieb auf insbesondere gering frequentierten Nebenbahn gab die damalige Bundesbahn den Auftrag zur Entwicklung eines Leichttriebwagens. In Folge dessen wurde der VT 95 (spätere Baureihe 795) nach mehreren Vorserien und Prototypen schließlich in Serie gebaut. Unser 795 256 gehört zu den insgesamt 369 einmotorigen Schienenbusse, die bei der Waggonfabrik Uerdingen gebaut wurden.

 

Die 795er erhielten einen Büssing – Dieselmotor mit max. 1800 U/min. und 150 PS. Die VT`s wurden für eine Maximalgeschwindigkeit von 90 km/h konzipiert. Durch eine am Bahnbus angelehnte Bauweise wurde besonderer wert auf eine möglichst kostengünstige Produktion der für den Nebenbahndienst als Ablösung der dampfbespannten Personenzüge vorgesehenen Schienenbusse gelegt. Der Wagenkasten wurde gebildet durch eine selbsttragende Schweißkonstruktion aus Stahlblechprofilen mit Leichtmetall–Außenblechen und zur Abfederung des Fahrzeugs wurden, im Gegensatz zu einem Teil der Baureihe 798, ausschließlich Schraubenfedern und Stoßdämpfer verwendet. Gekuppelt wurden die Wagen mit einer Scharfenberg–Kupplung, die mittig angebracht ist. In diesem Zusammenhang wurden auch lediglich Stoßdämpfer statt der markanten Puffer an den Fahrzeugen angebracht. Nachträglich wurden die 795er mit der Stirnlampe zwecks Dreilichtspitzensignals sowie teilweise mit einer Kleinsteuerung für die Bedienung zweier gekuppelter Motorwagen von einem Führerstand aus. 795 256 gehört zu den Fahrzeugen der Baureihe, die eine markant aufgesetzte zusätzliche Stirnlampe erhielten. Der Innenraum ermöglichte einen „Rund–um–Blick“ und sogar Sichtkontakt zum Fahrer. Die umlegbaren Rückenlehnen ermöglichten den Fahrgästen stets in Fahrtrichtung zu sitzen. Eine derartige Konstruktion fehlt heute selbst in den modernen Nahverkehrswagen.

 

Im Bw Gerolstein waren beispielsweise noch Mitte der 70er Jahre allein etwa 15 Triebwagen dieser Baureihe, zum Einsatz auf den Nebenbahnen, stationiert und insbesondere nach Mayen und Prüm eingesetzt. Auch im Bw Mayen–Ost wurden jahrzehntelang die einmotorigen „roten Brummer“ beheimatet.

 

Mit einem zusätzlichen Motor wurde im Anschluss an die Baureihe 795 die aufgebesserte und leistungskräftigere Schienenbus-Baureihe 798 hergestellt, die noch bis Ende der 90er Jahre im DB–Verkehr zum Einsatz kam und noch 1991 über die Eifelquerbahn knatterte. Kaum eine Nebenbahn wurde nicht einmal durch die Schienenbusse bedient und sogar heute noch gibt es bei einigen Privatbahnen VT 98–Einsätze im Planverkehr. Während relativ viele 798er erhalten werden konnten, sind nur sehr wenige Exemplare der Baureihe 795 – wie unser Fahrzeug - noch betriebsfähig erhalten und mit gültiger Hauptuntersuchung (HU) im Sonderfahrtenverkehr noch einsetzbar.

 

Der 795 256 wurde am 13. Februar 1953 ausgeliefert und absolvierte wenig später seinen ersten öffentlichen Einsatz im Planverkehr der damaligen Bundesbahn. Nach den ersten Jahren beim Bw Neuenmarkt-Wilsberg wurde der VT 95 am 1. Juli 1956 zum Bw Bayreuth umstationiert. Dort absolvierte er fast 20 Jahre seine Leistungen im Personenverkehr, bevor er 1975 dem Bw Hof zugeteilt wurde. Vom Bw Hof aus wurde er dann jedoch nur noch kurze Zeit eingesetzt, da ein knappes halbes Jahr nach der Umstationierung die Ausmusterung am 8. November 1975 folgte. In gleichem Jahr wurde auch der Beiwagen 995 295 ebenfalls ausgemustert.

 

Motor, - und Beiwagen blieben durch den Ankauf durch einen Museumsbahnverein erhalten und wurden auch noch in späteren Jahren eingesetzt. Diese stilechte zweiteilige Garnitur mit Gepäckabteil und etwa 90 Plätzen wurde über 20 Jahre später in Lengenich stilecht aufgearbeitet und konnte im originalgetreuen historischen Zustand ebenfalls im August 1998 die ersten Sonderfahrten durch die Eifel unternehmen. Der 795 256 gehört zu den wenigen noch betriebsfähigen und auf DB-Strecken zugelassenen Fahrzeugen dieser Baureihe.

 

In den 14 Jahren, in denen wir Sonderfahrten mit dem 795er veranstalten, ist unsere Garnitur vor allem auf der Eifelquerbahn Gerolstein – Daun – Kaisersesch (-Mayen) zum Einsatz gekommen. Der 795er konnte hier sowohl bei den traditionellen Sonderfahrten nach Monreal im Sommer als auch bei Leistungen im saisonalen Wochenendverkehr seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Diese Querverbindung durch die Vulkaneifel ist eine typische Nebenbahn, auf denen Schienenbusse früher täglich zum Einsatz kamen.

 

Technische Daten:

 

795 256
A1-dm, Hersteller: Uerdingen, Fabrik-Nr.: 57635, Baujahr: 1953, 150 PS.
Ehem. DB VT 95 9256, ausgemustert am 8.11.1975, zuletzt Bw Hof.
1976 an AHE Bodenburg (VT 21), seit 1998, nach umfangreicher Aufarbeitung, für uns unterwegs

 

995 295
Hersteller: WMD (Waggon- und Maschinenfabrik Donauwörth), Fabrik-Nr. 165, Baujahr 1954.
Ehemals DB VB 142 295, ausgemustert am 24.06.1975, zuletzt Bw Regensburg. 1976 an AHE Bad Salzdetfurth, seit 1998, nach umfangreicher Aufarbeitung, für uns unterwegs

 

 

Die 795/995 Garnitur unterwegs auf der Oleftalbahn
Die 795/995 Garnitur unterwegs auf der Oleftalbahn

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