Historie

Das Bahnbetriebswerk Gerolstein beheimatete einst Loks und Triebwagen für die Einsätze nach Daun / Mayen, St. Vith / Neuerburg, Waxweiler, Trier oder Prüm / Pronsfeld. Fahrzeuge des Bw Gerolstein sind selbst bis nach Adenau, Losheim oder Remagen gelangt. Aufgrund seiner zentralen Lage im Eisenbahnnetz der Eifel konnten vom Bw Gerolstein aus die Triebwagen für die Leistungen auf den Nebenbahnen der Region eingesetzt und gewartet werden.

 

Am 15. November 1870 wurde Gerolstein erstmals offizieller Halt einer Eisenbahn. Eingerichtet wurde neben dem Bahnhof, der Bahnmeisterei, dem Bahnbetriebsamt und dem Maschinenamt auch ein erstes Bahnbetriebswerk (Bw). Nötig war es, da in der Frühzeit der Eisenbahn nur begrenzte Möglichkeit zur Mitnahme von Holz, Kohle und Wasser auf den Lokomotiven vorhanden waren. 1912/13 wurde aufgrund der unzureichenden Platzverhältnisse am Bahnhof ein neuer Lokschuppen nahe der Gemarkungsgrenze Pelm errichtet. Mittelpunkt der Anlage bildete ein 15 ständiger Ringlokschuppen, der von einer 20m-Drehscheibe aus befahren werden konnte. Angebaut war ein Verwaltungstrakt, vorgelagert waren die Bekohlungsanlage mit zwei Kohlekränen sowie einige Nebengebäude. Zu einer Drehscheibe für den Bauverkehr wurde das Bw Gerolstein im Zuge des Westwallbaus in den 1930er Jahren.

 

Durch Luftangriffe, vor allem im Winter 1944 /45, kam es zu schweren Schäden in der Stadt Gerolstein und im Bahnhofsbereich. Das Bw, aufgrund seiner geschützten Lage im Kylltal nur leicht beschädigt, wurde erst durch die eigenen Truppen bei deren Rückzug zerstört. Ab Mai 1945 mit einfachsten Mitteln wieder aufgebaut, erhielt das Bw 1947 eine neue 20m-Drehscheibe. Vom früher 15-ständigen Ringlokschuppen wurden acht Stände wieder überdacht. Den nachweislich größten Bestand an Dampflokomotiven besaß das Bw 1952 mit insgesamt 23 Loks.

 

Nachdem das Bw 1959 bereits aufgelöst und dem Bw Jünkerath angeschlossen worden war, wurde dieser Schritt 1966 mit der Aufgabe des Bw Jünkerath, aufgrund der Abgabe der zuletzt dort stationierten Dampflokomotiven, rückgängig gemacht. Fortan gab es nur noch das Bahnbetriebswerk Gerolstein, welches nun auch die Jünkerather Aufgaben übernahm. Anfang der 50er Jahre stand das Bw mit über 20 beheimateten Dampfloks unter Volldampf und noch Anfang der 70er Jahre waren über 100 Eisenbahner im Bw Gerolstein beschäftigt sowie etwa 20 Triebfahrzeuge (211er / 795er) in Gerolstein stationiert.

 

Im Zustand der letzten Betriebsjahrzehnte konnten Triebfahrzeuge an der Drehscheibe auf insgesamt acht Innen, - und sechs Außengleisen abgestellt werden. Doch als Folge des "Nebenbahnsterbens" in der Eifel und im Rahmen der Rationalisierungsmaßnahmen der Bundesbahn wurde Ende der 70er Jahre das Bw Gerolstein als "Meldestelle" dem Bw Trier angeschlossen. So endete hier am 31. Mai 1977 die eigenständige Lokunterhaltung in Gerolstein.

 

Obwohl noch bis Ende der 80er Jahre Unterhaltungsarbeiten an Fahrzeugen des Bw Trier in Gerolstein stattfanden und noch bis zur Stillegung 1991 im Bw Gerolstein die für die Personenverkehrsleistungen auf der Eifelquerbahn vorgesehenen Schienenbusse des Bw Trier stationiert wurden, begann man bereits ab Ende der 70er Jahre die Versorgungseinrichtungen für Lokomotiven im Bw zurück zu bauen. Die Werkstatteinrichtungen im Bw Gerolstein wurden 1985 demontiert. Die Dieseltankstelle wurde 1994 gesperrt und einige Jahre später abgebaut. Die Triebfahrzeuge der DB Regio wurden seitdem in Trier, Euskirchen oder Köln betankt. Im Jahr 2014 wurde im Bahnhof Gerolstein eine neue Tankanlage eingerichtet.

 

Zuletzt wurde das Bw Gerolstein nur noch zu Abstellzwecken genutzt. Spätestens mit der Stillegung des Personenverkehrs auf der Eifelquerbahn nahm jedoch auch hier der Bedarf deutlich ab. Nachdem noch einige Zeit Fahrzeuge für die Eifelstrecke im Bahnbetriebswerk durch die damalige Bundesbahn bzw. später DB Regio abgestellt worden waren, wurde das Areal schließlich aufgegeben und durch DB Immobilien zum Verkauf angeboten.

 

Seit 13.09.1995 steht das Bw Gerolstein unter Denkmalschutz. Das gesamte Areal wurde 1996 für 521.000,00 DM an eine Firma des Privatinvestors Jörg Seyffert aus Linz am Rhein verkauft. Dessen Firma musste im Herbst 2003 wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Nach Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter gelang mit Beurkundung vom 17.06.2004 der Erwerb. Zu diesem Zweck wurde bereits am 01.04.2004 von einigen Vereinsmitgliedern, dem Verein Eifelbahn e.V. selbst und der Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft mbH (VEB) die neue gemeinnützige "Bahnbetriebswerk Gerolstein gGmbH" (BWG) gegründet. Die BWG ist vom zuständigen Finanzamt Bernkastel-Wittlich seit dem 26.05.2004 als gemeinnützig anerkannt.

 

Quelle und Buchtipp: Petry, Jörg / Kuhl, Hans-Peter: Das Bahnbetriebswerk Gerolstein, Gerolstein 1995

 

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